Navigationshilfe

Hauptnavigation

Seiteninhalt

 

ARCHIV

Aktuelles aus 2009


 


Das Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft lädt alle TFM-Studierenden, DramaturgInnen
und Interessierten herzlich ein zum

jour fixe
mit Dennis Kelly

 

Der britische Theaterautor Dennis Kelly, 1970 in London geboren, studierte am Londoner Goldsmiths College. 2002 erschien sein erstes Stück Debris (UA 2003 am Latchmere Theatre, London). Es folgten unter andrem die Stücke Osama the Hero, After the End, Love and Money und zuletzt Orphans.
Kelly ist Co-Autor der britischen Fernseh-Sitcom Pulling. Die deutschsprachigen Uraufführungen seiner Stücke finden seit der Erstaufführung von Liebe und Geld 2008 meist am Theater Basel statt.


Wir treffen uns am
Dienstag, den 24.11.2009, um 18:30 Uhr in Raum 1.411 in gemütlichem Kreis bei Brezeln, Wein
und nicht-alkoholischen Getränken.
Dennis Kelly wird eine Auswahl von Monologen aus seinen Stücken lesen.

Wir freuen uns auf Ihr und Euer Kommen!

 


 

Das Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft lädt alle Studierenden

und Interessierten herzlich ein zur Tagung

Populärkultur, audiovisuelle Massenmedien und Avantgarde in der Weimarer Moderne

vom 6.11.2009 bis zum 8.11.2009

Freitag, 6.11. (Eisenhower-Raum R. 1.314)

Moderation: Prof. Dr. Thomas Küpper (Frankfurt a.M./Braunschweig)                                   

14:30 – 15:15    Prof. Dr. Burkhardt Lindner. Eröffnungsvortrag: „Mehr guten Sport“ (Brecht)

15:15 – 16:15    Prof. Dr. Kaspar Maase (Tübingen): „Umstrittene Grenzen. Zu einigen Schwierigkeiten bei der Bestimmung des Populären in der Weimarer Kultur“

Was ist mit welchen Gründen zur Populärkultur der Weimarer Republik zu zählen, und was bedeutet eine eventuelle Zuordnung für Stellung und Wirkung des Phänomens im sozio-kulturellen Prozess? Jede abstrakte Defini­tion taugt nur dazu, im Einzelfall die Abweichung von den allgemeinen Be­stim­mungen präziser zu fassen. Große Teile der populären Literatur („Schmutz und Schund“), des erzählenden Films („Hollywood“) sowie der po­pu­lären Musik (Schlager, Jazz) waren aufs Heftigste umstritten; irritierend für alle Definitionsversuche: Besorgnis und Ablehnung erfassten nicht nur das Pub­­likum der „Hochkultur“, sondern gleichermaßen breite Sektoren des un­ter­bürgerlichen Massenpublikums. Gerade in der hochpolitisierten Anfangs- und Endphase der Republik wurde Populäres zum Projektions- und Ausein­an­der­setzungsfeld, in dem um Grundfragen der kulturellen Liberalität wie der Alltagsmoral gestritten wurde. Und stets war auch die Intention einer volks­er­zieherischen „Popularisierung“ im Spiel – ein historisches Charakteristikum der Weimarer Zeit, das insbesondere die Entwicklung des Rundfunks prägte.

 

16:15 – 16:45    Kaffeepause

16:45 – 17:45    Dr. Martina Roepke (Utrecht): „Immer wieder Menschen am Sonntag oder: Die Erziehung der Filmamateure in der Weimarer Republik“

Die Film- und Kinokultur der Weimarer Republik ist in der internationalen Forschungsliteratur ausgiebig behandelt worden. Eine Lücke stellt dabei aller­dings die Amateurfilmproduktion dar, die in diesen Jahren in Deutsch­land wie international ihre erste Hochphase erlebte. Mit leichten, mobilen und relativ erschwinglichen 16mm-Kameras produzierten begeisterte Film­freunde und Technikliebhaber Dokumente, die bis heute kaum aufgearbeitet und nur schwer zugänglich sind. Im Kontext der Tagung soll das Verhältnis dieses Zweiges der Filmproduktion der Weimarer Republik zur pro­fessi­onellen Filmproduktion einerseits, zum Avantgardefilm andererseits erkundet werden. Der Vortrag beschreibt das diskursive Feld, in dem sich das Amateurfilmen von einer vormals elitären Liebhaberei zur populären Frei­zeitbeschäftigung mausern konnte. Im Mittelpunkt steht dabei die überaus reiche Handbuchliteratur der zwanziger und frühen dreißiger Jahre, die zunächst die Funktion hatte, die Amateure bei der filmischen Gestaltung alltäglicher Situationen anzuleiten, darüber hinaus aber als normative Poetiken einer entstehenden medialen Praxis gelesen werden kann. Vor allem im Hinblick auf die jüngeren Entwicklungen im Bereich partizipativer Medien gilt es schließlich das kreative Potential dieser Medienpraxis zu umreißen, deren eigene Dynamik aus artiger Handwerklichkeit aber auch eigenwilligem Ausprobieren sich als wichtiger Teil der Film- und Alltagskultur der Weimarer Republik erweist.

 

17:45 – 18:45    Prof. Dr. Karl Prümm (Marburg): „Frank Warschauer – Hinweise auf einen vergessenen Theoretiker der Populärkultur“

Frank Warschauer (1892 – 1940) ist ein heute weitgehend vergessener Autor und Publizist, der in der Weimarer Republik einen Höhepunkt seiner Kreati­vität und Wirksamkeit erlebte. Immer wieder gab es in der Vergangenheit Versuche (vor allem von Winfried B. Lerg und Helmut Kreuzer), sein Werk in Erinnerung zu rufen und zu aktualisieren. Sie führten aber nicht dazu, dass dieser ebenso einzigartige wie produktive Autor nachhaltig wahrgenommen wurde.

Frank Warschauer repräsentiert einen neuen Typus des Schriftstellers, der auf die neuen Anforderungen der Medienmoderne und den damit ver­bundenen Wandel der kulturellen Praxis entschieden reagiert. Zum einen ist Warschauer Kulturschriftsteller in einem ganz traditionellen Sinne. Sein Interessenspektrum ist enorm. Er schreibt Gedichte, verfasst Filmkritiken und greift in die musiktheoretischen Debatten der Zeit ein – und dies jeweils in repräsentativen Zeitschriften und Foren. Er ist aber vor allem auch ein Chronist und Kritiker der neuen Medien, ein scharfer Beobachter der popu­lären Künste, ist Avantgardist der Rundfunk- und der Schallplattenkritik, verfolgt die technisch-materielle Entwicklung von Tonfilm und Fernsehen. Eine solche Verschränkung des Wissens, der Diskurse und der Schreibformen ist in der Weimarer Republik singulär. Frank Warschauer nutzt die Vielfalt der Tagespresse und erreicht eine Präsenz seines Schreibens wie kaum ein anderer Publizist seiner Zeit. Dieses vielgestaltige und virtuos bewegliche Schreiben rekonstruiert der Vortrag.

 

Samstag, 7.11. (Tagungsraum R. 1.741, Nebengebäude)

Moderation: Nadine Werner, M.A. (Frankfurt a.M.)                           

10:30 – 11:30    Prof. Dr. Detlev Schöttker (Berlin): „Nationalistische Propaganda und Gegenwartsdiagnose. Ernst Jüngers medienästhetische Texte“

Unter den Publikationen Ernst Jüngers, die zwischen 1928 und 1933 erschienen sind, ragen quantitativ sieben großformatige Bände heraus, für die er als Herausgeber verantwortlich zeichnete oder eine Einleitung schrieb. In allen Werken geht es um die nationalistische Verarbeitung des Ersten Weltkriegs und das Verhältnis von Mensch und Technik, also politische und anthropologische Fragen. Photographien nehmen hier eine zentrale Rolle ein. Die Titel lauten: „Luftfahrt ist not“ (1928), „Die Unvergessenen“ (1928) - ein Band, der dem Andenken der im Weltkrieg gefallenen Schriftsteller gewidmet ist -, „Der Kampf um das Reich“ (1929) und der erste Teil der zweibändigen Folge „Das Antlitz des Weltkriegs“ mit dem Untertitel „Fronterlebnisse deutscher Soldaten“ (1930). Zu einem zweitem, von Richard Junior heraus­gegebenen Teil mit dem Untertitel „Kriegserlebnissen unserer Gegner“ (1931) hat Jünger ebenso eine Einleitung beigesteuert wie zu den Bänden „Der gefährliche Augenblick“ von Ferdinand Bucholtz (1931) und „Die veränderte Welt“ von Eduard Schultz (1933).

In späteren Schriften Jüngers spielen diese Dokumentationen keine Rolle mehr. Selbst die Einleitungen hat er in die 22bändige Ausgabe der „Sämtlichen Werke“, die er von 1978 bis zu seinem Tod (1998) betreute, nicht aufgenommen, so dass sich die Jünger-Forschung damit lange Zeit nicht beschäftigte. In Anthologien zur Theorie der Photographie wie der von Wolfgang Kemp oder theoriegeschichtlichen Darstellungen wie der von Bernd Stiegler werden die Beiträge ebenfalls nicht abgedruckt oder behandelt. Ob Jünger die Fotos und die schriftlichen Quellen für die Bände selbst ermittelt und zusammengestellt hat, ist wegen der Masse des Materials eher un­wahr­schein­lich. Zu vermuten ist, dass die kaum profilierten Herausgeber und Verlage die zunehmende Popularität Jüngers nach dem Erfolg des Tagebuch­romans „In Stahlgewittern“ zu nutzen versuchten, um die Bücher zu ver­kaufen, wie schon Sven Olaf Berggötz meinte, der die Texte in die 2001 erschie­nenen Sammlung der „Poltischen Publizistik“ Jüngers aufnahm und dadurch wieder zugänglich machte.

Dennoch setzte mit den Dokumentationsbänden Jüngers Interesse für Photographie, Photobücher und andere Massenmedien ein. Zwar haben seine ersten Texte noch nicht das medienreflexive Niveau der zeitgleich ent­stan­den­en Beiträge von Siegfried Kracauer oder Walter Benjamin, doch hat Jünger den nationalistischen Impetus seiner ersten Texte durch chronistische und ästhetische Überlegungen vertieft, die ihnen einen eigenständigen Status verleihen und zu Überschneidungen mit den Arbeiten von Kracauer und Benjamin führten, die beide zu Beginn der dreißiger Jahre über Bücher von Jünger geschrieben haben (Benjamin über den Sammelband „Krieg und Krieger“ und Kracauer über den „Arbeiter“), vermutlich also auch andere Werke von ihm kannten. Wie bei diesen sind auch Jüngers medien­the­o­re­ti­sche Reflexionen durch die Ausbreitung der Massenkultur in der Weimarer Republik inspiriert worden, wie ich in einem ersten Schritt zeige. Allerdings ging des Jünger nicht um Theorie; seine Überlegungen führten vielmehr zu einem Wandel seiner Schreibweise, die man als photoästhetisch orientierte Form literarischer Chronistik bezeichnen kann, wie ich in einem zweiten Schritt erläutern möchte.

 

11:30 – 12:30    Prof. Dr. Bernd Stiegler (Konstanz): „Montagen montieren. Industrie und Populärkultur“

Die Montage hat ein janusköpfiges Antlitz: sie ist Verfahren der Technik und der Kunst zugleich. Nicht selten finden jedoch beide Bereiche zueinander: die Montage wird zum Gegenstand der ästhetischen Darstellung und der Film zum Verfahren der Effizienzanalyse. Dieser Konfiguration soll am Beispiel von zwei Konstellationen nachgegangen werden: "Montagefilme" aus Russland und den Vereinigten Staaten und Industriephotos aus Deutschland und Amerika.

12:30 – 13:30    Pause

Moderation: Dr. Harald Hillgärtner (Frankfurt a.M./Braunschweig)

13:30 – 14:30    Dr. habil. Wolfgang Hagen (Berlin): „’Kulturinstrument Radio’ – Zur Genealogie einer medialen Katastrophe der Weimarer Republik“

14:30 – 15:30    Prof. Sabine Breitsameter (Darmstadt/Berlin): „1924: Radiokunst - drei Grundpositionen“

In den frühen 1920er Jahren wurde Radio zum neuen faszinierenden Medium, das die Vorstellungswelt der Menschen tief veränderte. Das Überbrücken von Ent­fernungen, die Paradoxie von An- und Abwesenheit, das Kontakt-Ge­winnen mit einer nicht-materiellen, vielleicht magischen Welt, die Reprodu­zier­barkeit von einstmals unwiederbringlichen Ereignissen: dies und anderes mehr geriet mit der Popularisierung des Radios mehr und mehr ins Zentrum all­täglicher Erfahrung. Parallel zur wachsenden öffentlichen Zugänglichkeit des Mediums wuchs bei Radiomachern das Bedürfnis, eine Kunst speziell für diese Apparatur zu schaffen. Die Konzepte und Prototypen, die während dieser Such- und Ent­wick­lungsphase entstanden, haben bis heute ihre Gültigkeit und ihr Gewicht behalten.

Es sind Richard Hughes, Hans Flesch und Kurt Weill, welche in Hinblick auf radiospezifische Gestaltungsformen drei Grundpositionen repräsentieren. Richard Hughes, der Autor des ersten dokumentierten Hörspiels der Ge­schich­te „A Comedy of Danger“ (Januar 1924, Radio London) siedelte die Hand­lung seines Stücks in einem Kohlebergwerk an. Dort wird ein junges Paar bei einem Minen-Unglück eingeschlossen. „The lights have gone out“, ist nicht nur einer der ersten Sätze des Hörspiels, sondern enthält auch dessen medienspezifisches Konzept. Die Bilderlosigkeit des Mediums stellte für die Zeitgenossen eine neue, fremdartige Erfahrung dar, die eines pro­gram­­matischen Rahmens bedurfte, den Hughes mit seinem Hörspiel for­mulierte.

Der deutsche Komponist Kurt Weill prägte seine utopische „Vision“ einer „absoluten Radiokunst“ im Jahr 1924: Er imaginierte und beschrieb neue, „unerhörte“ auditive Materialien, denen er das Potential zuschrieb, einer künftigen radiospezifischen Kunstform Identität zu verleihen: Weill entwarf in seiner Vorstellung O-Töne, synthetisierte und prozessierte Klänge und Ge­räu­sche - damals unvorstellbare Novitäten -, die erst Jahrzehnte später, mit dem Aufkommen elektroakustischer Instrumentarien, Wirklichkeit werden kon­­nten.

Hans Flesch, damals Intendant von Radio Frankfurt, war wahrscheinlich der kreativste Radiomacher der Weimarer Republik. Sein Hörspiel „Zauberei auf dem Sender“ (Oktober 1924) nahm die technischen Voraussetzungen des Mediums und dessen Kommunikationsarchitektur als Ausgangspunkt für ein audiomedienspezifisches künstlerisches Konzept: Radio versus Rundfunk. Dabei warf er nicht nur die Frage nach dem Verhältnis von „neutönerischer“ Ästhetik und gesellschaftlicher Entwicklung auf, sondern auch die Frage nach dem Zugang zum Medium Radio bzw. dessen Kontrolle. Diese drei Konzepte prägen bis heute die Herausbildung radiospezifischer ästhetischer Typologien und ihrer Realisierung grundlegend. Gleichzeitig stehen sie für unterschiedliche Modelle einer möglichen Beziehung zwischen Hörer und Sender.

 

15:30 – 16:00    Kaffeepause

16:00 – 17:00    PD Dr. Eckhardt Köhn (Frankfurt a.M.): „Populäre Fotobücher“

Seit einigen Jahren hat die fotogeschichtliche Forschung das Fotobuch als künstlerische Gattung eigener Art entdeckt, die vor allem in den Jahren der Weimarer Republik einige herausragende Exemplare hervorgebracht hat. Das öffentliche Interesse für die in der Regel Moholy-Nagys radikalem Visualis­mus verpflichteten Kunstbücher, die „Fotografien an die Stelle von Texten“ setzen und filmisch-sequentielle Darstellungsweisen bevorzugen, blieb jedoch zum Zeitpunkt ihrer Entstehung weitgehend auf Kreise der Avant­garde beschränkt. Daneben gab es jedoch eine Massenproduktion von Foto-Bildbänden, die mit den Mitteln populärwissenschaftlicher Aufklärung über die unterschiedlichsten Themengebiete ein großes Publikum fanden. Im Hinblick auf inhaltliche, formale und funktionale Kategorien folgten diese Bücher völlig anderen Strategien, die vor allem im Verhältnis von Bild und Text wirksam wurden. Als besonders erfolgreich erwies sich in diesem Zusammenhang der Typus eines Bildbandes, der sich als „Deutschland-Buch“ bezeichnen ließe. Er stellt die fotografische Dokumentation deutscher Landschaften, Bau- und Kulturdenkmäler in den Mittelpunkt, verbindet aber die kulturelle Selbstvergewisserung nach 1919 latent mit den Problemen politischer Identität. Im Zeichen der Krise Ende der zwanziger Jahre entfaltet sich das darin angelegte extreme Potential in einer neuen Ausprägung des „Deutschland-Buches“, das nun die politischen und ge­sell­schaft­lichen Widersprüche der Weimarer Republik dokumentiert und im Sinne eines neuen Nationalismus interpretiert, der dem konventionellen Fotobuch seinen „beschaulichen“ Charakter nimmt und es explizit als Mittel im politischen Kampf begreift.

17:00 – 18:00    Dr. hc. Timm Starl (Wien): „Filmprogramm und Starporträt. Fotomontage und Bildpostkarte in der Filmreklame der Zwischenkriegszeit“

An den Kinokassen wurde ab den 1920er Jahren zur aktuellen Vorstellung der "Illustrierte Film-Kurier" angeboten. Dieses in großen Auflagen verbreitete Programmheft enthielt neben einer Auflistung der Produzenten und Mit­wir­ken­den eine Inhaltsangabe zur Handlung des Films. Als Illustrationen dienten Porträts der Hautdarsteller, vor allem aber Szenenbilder, die als Montagen präsentiert wurden. An Beispielen von Programmen zu Filmen mit Greta Garbo sowie Postkarten mit Porträts und Standfotos der Schauspielerin sollen die Strategien und Mittel der Popularisierung des Mediums Film und seiner Stars dargestellt werden.

 

Sonntag, 8.11. (Tagungsraum R. 1.741, Nebengebäude)

 Moderation: Nadine Werner, M.A. (Frankfurt a.M.)

10:30 – 11:30    Sophia Ebert, M.A. (Hamburg): „Theater als moralische Versuchsanstalt: Die Boulevardkomödien der Weimarer Republik“

Hans Bachwitz, Otto Ernst Hesse oder Bruno Frank sind Autoren der Weimarer Republik, die heute kaum jemand mehr kennt. Sie gehörten nicht zur Avantgarde, ihre Stücke lösten keine Skandale aus, denn sie schrieben Boulevardkomödien. Von den politischen Umbrüchen und Zusammenbrüchen ihrer Zeit scheinen ihre Stücke völlig unberührt geblieben zu sein, ebenso wie von den ästhetischen und formalen Experimenten ihrer Theater-Kollegen. Und dennoch waren es Unterhaltungs-Autoren wie Bachwitz, Hesse oder Frank, die mit ihren Stücken die Theaterspielpläne seit Anfang der 1920er Jahre in der Weimarer Republik dominierten. Denn die Boulevardkomödie leistete, was die Hochkultur versäumte: Neue Themen und Lebenskonzepte wie Frauenemanzipation, lesbische Liebe, Identität der Persönlichkeit oder Klassen­kampf wurden von ihr allgemeinverständlich und in unterhaltsamer Form für ein breites Publikum dargestellt, erprobt und diskutiert. Sie diente in einer Zeit, in der alle Werte ins Wanken geraten waren, als moralische Versuchsanstalt.

11:30 – 12:30    Dr. Hiram Kümper (Bielefeld): „Nichts als blauer Dunst? Zigarettensammelbilder und das kollektive Bildgedächtnis der ‚Generation Weimar’“

Der Beitrag soll mit einem besonderen und besonders populären Bildmedium der Weimarer Zeit bekannt machen: Sammelbildern, die mit Zigaretten­packungen zusammen verkauft wurden. Dabei geht es vor allem um eine quellen­­kritische Vorstellung, um die Bedeutung dieser massenhaft ver­breiteten Bilder für das kollektive Bildgedächtnis einer Generation zu beleuchten. Vorgestellt werden daher die unterschiedlichen Motivgruppen, Herstellung und Vertrieb sowie schließlich der durch staatliche Regulation eingeleitete Rückgang der Sammelbildproduktion während NS und Nachkriegszeit.

12:30 – 13:00    Pause

13:00 – 14:00    Prof. Dr. Michael Wedel (Potsdam): „Tanz der Form. Die Tonfilmoperette als populäre Avantgarde-Bewegung“

Gegenüber einem Verständnis der kulturellen Dynamik experimenteller Ästhetiken, wie es für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts am Beispiel der historischen Avantgarde-Bewegungen ausgebildet worden ist, lässt sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts von einem veränderten Begriff der Avantgarde ausgehen: Ihm zufolge vollziehen sich ästhetische Innovationen in Wech­selwirkung mit wissenschaftlich-technischer Entwicklung und industriellen Logiken von Vermarktung und Verwertbarkeit. Mit dieser Öffnung des Be­griffs hat sich auch das Verhältnis zwischen Avantgarde und Populärkultur nach­haltig gewandelt, von einem Modell der dialektischen Bezugnahme hin zur gegenseitigen Durchdringung angestammter Produktions- und Gestal­tungs­verfahren sowie ihrer entsprechenden Rezeptionshaltungen.

Dies gilt umso mehr für avantgardistische Tendenzen im Bereich der Films. Am Beispiel der Tonfilmoperette, wie sie sich als zugkräftiges Genre zu Beginn der frühen Tonfilmzeit (1930-1933) in Deutschland ausgebildet hat, soll eine solche Durchdringungsbewegung von avantgardistischer Formgebung und populärer Film- und Unterhaltungskultur nachvollzogen werden. Neben der Implikation in zeitgenössische Technikentwicklungen und dem wirt­schaft­lichen Kalkül einer zunehmend konglomerisierten Medienindustrie stehen hierbei vor allem die vagabundierenden kulturellen Einflusssphären jenes filmästhetischen Innovationsschubs im Mittelpunkt, den die kurze Blüte der Tonfilmoperette aus der historischen Rückschau so bemerkenswert er­schei­nen lässt.  

14:00 – 14:30    Résumée und Abschlussdiskussion

Alle Vorträge sind öffentlich, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

 

 


 

Zoo und Kino

Veranstaltungshinweis

Ein Platz für Tiere. Bernhard Grzimek und TV.

Vortrag mit Ausschnitten aus der Sendung von Dr. Judith Keilbach (Utrecht)

 

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe: Zoo und Kino als Schaueinrichtungen der Moderne

und die Filmarbeit von Bernhard & Michael Grzimek

 

Dienstag, 24. März, 2009, 18.00 – 19.30 Uhr

Museum für Moderne Kunst, Domstraße 10

60311 Frankfurt am Main

 

Als "Ein Platz für Tiere" 1956 das erste Mal ausgestrahlt wurde, war Fernsehen noch schwarzweiß. In 175 Sendungen stellte Bernhard Grzimek den bundesdeutschen Fernsehzuschauern Tiere aus den verschiedensten Lebensräumen vor und diskutierte Fragen des Arten- und Umweltschutzes. Außerdem begrüßte er jedes Mal einen tierischen Studiogast, der die live ausgestrahlt Sendung nicht selten etwas aus dem Konzept brachte.

Der Vortrag wird die Sendereihe "Ein Platz für Tiere" genauer vorstellen und dabei in historischer Perspektive der Veränderung der Themen und Präsentationsformen nachgehen, die sich im Laufe ihrer 30-jährigen Fernsehgeschichte abgezeichnet haben.

„Zoo und Kino als Schaueinrichtungen der Moderne" ist eine Veranstaltung von: Institut für Theater-, Film und Medienwissenschaft der J.W. Goethe-Universität und Zoo Frankfurt in Kooperation mit: Deutsches Filminstitut-DIF/Deutsches Filmmuseum, Fritz Rémond Theater im Zoo, Museum für Moderne Kunst

Wir danken der Familie Grzimek und der Agentur Okapia für die Zurverfügungsstellung von Bild- und Filmmaterial.

 

Ansprechpartnerinnen:

Zoo Frankfurt                                                 Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt

                                                                       Institut für Theater-, Film - und Medienwissenschaft

Dr. Caroline Liefke                                        

Caroline.Liefke@stadt-frankfurt.de                presse-zookino@web.de

 


 

geändert am 06. Juli 2011  E-Mail: Webmasterhillgaertner@tfm.uni-frankfurt.de

|

| Zur Navigationshilfe
empty

Seitenabschlussleiste


Druckversion: 06. Juli 2011, 13:56
http://www.uni-frankfurt.de/fb/fb10/tfm/Aktuelles/Aktuelles_2009.html